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cig

Meister

Registrierungsdatum: 6. März 2009

Beiträge: 500

1

Mittwoch, 15. November 2017, 10:25

Das Zettelkasten-Prinzip von Sönke Ahrens

Der Autor schreibt über das wissenschaftliche Schreiben und untergliedert es in "Die vier Grundprinzipien des effektiven Schreibens" und "Die sechs Arbeitsschritte hin zum intelligenten Text".

Grundlage dafür ist das Zettelkasten-System von Niklas Luhmann, der in seinem Arbeitsleben über 90.000 Datensätze angesammelt hat, die er wiederum für seine Publikationen genutzt hat.
Der Zettelkasten wird zwar laufend erwähnt, wird aber nicht im Deteil erklärt, was aber auch nicht notwendig ist: Zettel aufschreiben, Zettel auf Index notieren, Zettel einsortieren, Verknüpfungen bilden. Das ist alles.
Aber diese Verknüpfungen sind das A und O des Zettelkastens. :!:

Er greift auch das Gegen-Argument auf, dass die Pflege dieser Zettel zu viel Zeit verbraucht. Wenn Luhmann allerdings an Büchern schrieb, brauchte er nur noch seine Sammlung zu nutzen, die Vorarbeiten (Recherche, Verknüpfungen) waren größtenteils schon erledigt. Hätte er nicht laufend seine Kästen gefüllt und organisiert, wäre er nicht so produktiv beim Schreiben gewesen. (Vergleichbar mit dem Fangen der Hühner und dem Reparieren des Zauns).

Es geht in dem Buch zwar um "das Schreiben", aber ich kann die meisten Thesen auf meinen Alltag übernehmen, wenn ich "Schreiben", "Verfassen", "Rezerpte", usw. durch "Projekte", "Aufgaben", "Nächste Aktivität", usw. ersetze.

Gleich ab Seite 18 wird auch GTD erwähnt (was ich überhaupt nicht erwartet habe). "Es gibt wohl kaum eine Führungskraft in einem größeren Unternehmen und nur wenige Selbständige, die noch nicht von GTD gehört haben - und das aus gutem Grund." Vielleicht etwas übertrieben? ;)
Einerseits werden die Gemeinsamkeiten zwischen GTD und Zettelkasten erläutert, andererseits warum beide eben doch unterschiedlich sind. Der Zettelkasten hat als Hauptmerkmal das Sammeln, Ordnen und "Verzetteln" (Vernetzen). Bei GTD steht das DONE ganz oben. (Verbinden lässt es sich natürlich, wenn man beim Erledigen auf die Daten des Zettelkastens zugreift.)

Die Kapitel sind voll gespickt mit Zitaten und Referenzen zu Studien und manchmal auch kleine Anekdoten. (Zwei junge Fische schwimmen an einem älteren Fisch vorbei. Dieser nickt ihnen zu und sagt: "Hallo Jungs, wie ist das Wasser heute?" Nachdem sie etwas weitergeschwommen sind, sieht der eine junge Fisch zu dem anderem herüber und fragt: "Was zu Teufel ist Wasser?")
Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals ein Buch mit so vielen Referenzen gelesen zu haben. Am Ende stehen 15 Seiten Literaturangaben!

An manchen Stellen schien es mir, dass sich der Autor wiederholt, aber dann war es nur eine Überleitung und das mit neuen Informationen bzw. Ansichten erweitert wird.
Für mich war es sehr informativ und lesenswert.

Zwei kleine Verbesserungen hätte ich:
Grafiken, Bilder und Diagramme fehlen und könnten den Text etwas auflockern.
Zum Wiederfinden einzelner Textstellen wäre ein Index hilfreich.

Was bringt mir das Buch?
Meine Ablage hinterfragen. Meine "Dinge" haben zwar definierte Orte, werden dort aber nur versenkt. Eine Vernetzung gibt es nicht. Wenn ich etwas suche, muss ich teilweise die Daten wieder zusammenstellen. Außerdem habe ich vermutlich zu viele Orte (die aber blöderweise thematisch Sinn machen.) Gleiches gilt für die Internetrecherche, deren Ergebnisse ich nie zusammentrage und verschlagworte, sondern beim gleichen Thema immer wieder neu suche. :whistling:

MindLikeWater

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2

Freitag, 17. November 2017, 17:07

Hallo cig

danke für die Anregung. Ich hab im Amazon die Rezensionen zu diesem Buch gelesen und es erscheint mir äußerst interessant. Werde es voraussichtlich bestellen, nur wann werde ich es lesen? Hoffentlich bald. In einer der Rezensionen (der längsten, von Robert Wartmann) kommt gut heraus, dass der grundlegende Arbeitsstil und die Ergebnisse der Schreibarbeit in entscheidendem Zusammenhang stehen. Das gilt aber aus meiner Sicht für jede Wissensarbeit, speziell dann wenn man vernetzt im Team arbeitet.
https://www.amazon.de/Das-Zettelkasten-P…n/dp/374312498X

Zitat Wartmann:
Mit dem Buch wird schnell deutlich, dass das Schreiben vor dem ersten Buchstaben eines Manuskripts beginnt (vgl. ebd., 10) und von der Organisation des Arbeitsalltags (ebd.) und der Etablierung von Routinen und Automatismen abhängt. Der Kopf muss beim Schreiben frei sein, damit Platz und Raum für Denken, Verstehen und kreative Ideen (ebd., 14) entsteht.

Damit haben wir wieder den Bogen zu GTD geschlagen.


Bezüglich Referenzenverwaltung habe ich auch schon einmal über einen Plan von mir geschrieben:

[url]http://dingegeregeltkriegen.de/wbb3/index.php?page=Thread&postID=10300#post10300
[/url]

Mit der Umsetzung bin ich leider noch nicht weitergekommen. Vielleicht hilft mir das Zettelkastenbuch weiter.
GTD gelesen 2013-10 / seitdem Implementierung in mein schon vorher vorhandenes GTD-ähnliches System / Werkzeug: PC-Arbeitsplatz

cig

Meister

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3

Donnerstag, 23. November 2017, 07:17

Ich bin zwar ziemlich Papier-ausgerichtet, allerdings würde ich einen Zettelkasten nicht mehr so führen (schlecht durchsuchbar, viel Pflegeaufwand).
Schon immer haben mich aber die riesigen Registraturen beeindruckt, in denen sich Verwaltungen zurechtgefunden haben. Solch eine Struktur und Disziplin zu haben, wäre für mich wünschenswert - und illusorisch. ;)
Bei dem Zettelkasten-Programm finde ich die Option "Schreibtisch" sehr interessant. Damit kann man verschiedene Einträge zu einem Thema zusammenfassen, so als könnte man die Zettel auf einem Schreibtisch zusammenfassen und ausbreiten. Das bedeutet auch, dass man ganz unterschiedliche Kategorien neu vernetzen kann. Ob das für meine Arbeitsweise brauchbar ist, weiß ich noch nicht, ich spiele mal ein wenig damit. Es kommt mir immerhin entgegen, dass ich es mit Windows und Linux auf einem Stick betreiben kann.

MindLikeWater

Fortgeschrittener

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4

Donnerstag, 23. November 2017, 09:08

Bei dem Zettelkasten-Programm finde ich die Option "Schreibtisch" sehr interessant.

Welches Zettelkastenprogramm verwendest du? Luedecke?
Das ist auch eins der Dinge, die ich mir seit langem "mal anschauen" möchte, aber nie dazukomme... :S
GTD gelesen 2013-10 / seitdem Implementierung in mein schon vorher vorhandenes GTD-ähnliches System / Werkzeug: PC-Arbeitsplatz

cig

Meister

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5

Samstag, 25. November 2017, 21:13

Ja, genau. Ich hatte ganz vergessen, es dazu zu schreiben.
Die Haptik ist etwas gewöhnungsbedürftig, wie jedes Programm, dass einen Papiervorgang möglichst genau abbilden möchte.
Dafür ist es eben mit dem "Schreibtisch" und auch Folgezetteln und Verweisen sehr flexibel.
Ich kann aber nicht sagen, wie brauchbar es ist, wenn man einige 100 Einträge hat.