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inboxzero

Anfänger

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Beiträge: 10

1

Montag, 27. April 2015, 10:52

Natural Planning Model - Beispiele

Ich würde gerne das Natural Planning Model (Übersetzung? evtl. Natürliches Planungsmodell?) besser verstehen. Besonders die Abgrenzung zwischen Phase 1 (Zweck und Grunsätze - "Warum?") und Phase 2 (Ergebnis geistig vorwegnehmen - "Was?") ist mir wichtig und habe ich noch nicht ganz verstanden.

Kann das jemand mal erklären?

Kennt Ihr praktische Beispiele von Projekten, die mit dem Natural Planning Model durchgeführt wurden? Also detailliert aufgeschlüsselt, so dass man es sich besser vorstellen kann. Evtl. Blog Einträge oder Webseiten mit Beispielen. Habe hierzu nicht viel Hilfreiches gefunden.

Vielen Dank!
--
"Das Hirn ist ein toller Prozessor, aber ein schlechter Massenspeicher"
Arbeite seit 2009 mit GTD und entdecke immer wieder Neues

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »inboxzero« (27. April 2015, 10:53)


MindLikeWater

Fortgeschrittener

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2

Dienstag, 28. April 2015, 13:06

Aus meiner Sicht sind die Phasen 2 und 5 die entscheidenden. Mit diesen 2 Phasen lässt sich schon ein Minimal-Natural Planning machen.

zur Phase 2 :
Allen: "You must have a clear picture in your mind of what success would look, sound and feel like."
Wie soll das fertige Resultat aussehen, damit es nutzbar ist? Welche Kriterien muss es erfüllen?
"The vision provides the actual blueprint of the final result. What would your website really look like and have as capabilities if it could be the way you wanted it?"
Beispielsweise musste ich einmal ein Konzept erarbeiten, an dem mehrere Teammitglieder mitgewirkt haben. Ich habe das grobe Dokument geschrieben, bestehend aus Kapitelüberschriften und darunter einigen Gedanken / Erwartungen an den Text, der in den einzelnen Kapiteln stehen soll (=blueprint of the final result). Die Mitautoren haben dann als Aufgabe bekommen, ihre Abschnitte mit detaillierten Inhalten zu befüllen. Dies ist erfolgt, dann habe ich versucht, das ganze rund zu gestalten, um es dann im Plenum fertig zu formulieren.

zur Phase 5:
Aus der Betrachtung des "outcome visionings" (zB das oben beschriebene grobe Konzept) fallen einem automatisch die nächsten Schritte in die Hände.

Die Abgrenzung zwischen Phase 1 und 2 würde ich so sehen:
Phase 1 ist eine philosophische Betrachtung, die der Motivation dient (Warum mache ich das Ganze überhaupt?).
In Phase 2 hingegen erarbeite ich den fertigen Output (das obige Grob-Dokument bzw. Ergebnis-Skelett), zumindest so, wie ich ihn mir heute vorstelle. Dann erst überlege ich mir, welche Tools ich programmieren muss, welche Leute ich als Unterstützung brauche usw., um eines Tages diesen Output erzeugen zu können.
GTD gelesen 2013-10 / seitdem Implementierung in mein schon vorher vorhandenes GTD-ähnliches System / Werkzeug: PC-Arbeitsplatz

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inboxzero

Anfänger

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Beiträge: 10

3

Mittwoch, 29. April 2015, 09:10

OK, also wenn ich es richtig verstehe, stellt man sich in Phase 2 das fertige Ergebnis vor, als wäre es schon da. Wie so eine Art Prototyp.

Da ich selber aus der Software-Entwicklung komme, ist mir das ein wenig fremd. Dort gibt es Anforderungen (z.B. im V-Modell). Das ist einfach die Definition der Dinge, die das fertige Produkt können soll. Es wird aber nicht festgelegt, *wie* das dann umgesetzt wird. Das ist dann Teil der späteren Diskussion, bei dem die Architektur betrachtet wird.

Die Sicht des GTD-Modells scheint mir aber eher so zu sein, dass das fertige Produkt vorweggenommen wird. Oder habe ich das falsch verstanden, und Phase 2 entspricht genau dem Teil "Anforderungen" in der Software-Entwicklung?

Vielleicht ist das private Projekt Hausbau ein gutes Beispiel. Lass es uns am Beispiel durchdenken. Das habe ich mir folgendermaßen überlegt:

1. "Warum?":
- Gute Altersvorsorge
- Mietwohnung geht verloren (Eigenbedarf Vermieter)
- Aktuelle Wohnung anfällig für Schimmel
- Kein Garten für Kinder
- Viele Treppen sind mühsam

2. "Was?":
- Qualitativ hochwertiges Haus mit gutem Preis-Leistungsverhältnis
- Finanzierung so dass wir trotzdem noch gut leben können
- Schulden in 20 Jahren getilgt
- Größe 160 Quadratmeter
- Schöner, geschützter Garten
- Wenig Mitarbeit beim Bau
- Schutz vor Einbrechern
- Wohlfühlen zu Hause

3. Brainstorming
- Diskussion Holz oder Stein
- Diskussion Heizung
- Vor-Nachteile erörtern
- Diskussion Wohnort

4. Organisiseren
- Das Ganze in Todo-Liste oder Projektplan überführen

5. Nächste Schritte
- Nächste Schritte definieren

In diesem Beispiel wäre das "Wie" schon gleich zu "Anforderungen". Was meint Ihr?
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Lvood151

Meister

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Beiträge: 552

4

Mittwoch, 29. April 2015, 22:00

@inboxzero:

ich bin in der Umsetzung auch noch nicht sehr erfahren, erlaube mir aber trotzdem, meinen Senf dazuzugeben:

inhaltlich hast du, denke ich, bei Deinem Hausbau-Projekt die Stufen gut beschrieben.

Punkt 2 dürfte aber wesentlich emotionaler und blumiger sein (ich denke, das verstärkt das Bild des Zieles in Deinem Kopf und hilft Dir, es wirklich erreichen zu wollen - auch unterbewusst):

Es ist Sommer, die Sonne scheint und es weht ein lauer Wind. Du sitzt in dem großen, uneinsehbaren Garten Eures neuen Hauses. Die Kinder spielen auf dem Rasen Ball und winken Dir fröhlich zu, während Du gemütlich in dem großen Liegestuhl unter dem Sonnenschirm sitzt, ein spannendes Buch liest und ab und zu einen Schluck von Deinem gut gekühlten Lieblings-Fruchtsaft trinkst. Deine Frau ist neben Dir auf der anderen Liege eingeschlafen und ruht sich aus. Überall im Gras hört man die Insekten zirpen und in den Brombeerbüschen zwitschern die Vögel.

Später, nach dem Abendessen auf der Terrasse geht Ihr in Euer gemütliches Haus und lasst den Tag entspannt ausklingen. Es gibt etwas zu feiern, denn mit einer großen Sondertilgung seid Ihr dem Abbezahlen des Hauses gerade einen großen Schritt näher gekommen und sitzt dann abends noch auf der Terrasse - es ist immer noch angenehm warm - und stoßt mit einem Glas Wein auf Euer schönes Traumhaus an, während auf dem Dachgiebel eine Amsel mit ihrem Gesang den Sonnenuntergang begleitet ....


Das mag im ersten Moment etwas esoterisch klingen, scheint aber tatsächlich zu funktionieren, indem man quasi sein Unterbewusstsein mit starken, emotionalen Bildern und Eindrücken auf Erfolg programmiert...

Vermutlich ist das jetzt nicht die reine Lehre nach David Allen, ich habe mittlerweile einiges zu dem Thema gelesen. Den stärksten Eindruck hat diesbezüglich Michael Linenbergers Ansatz mit den "Now Goals" gemacht (wenn Du nach "vision goals linenberger" google'st, dürftest Du dazu einiges finden. Aber es deckt sich auch mit vielen anderen Meinungen, die ich in der Zwischenzeit gelesen habe - einerseits in Richtung "positives Denken" und andererseits in Richtung Gelassenheit, Glück und Erfolg.

Weitere konkrete Beispiele dazu gibt es in Michael Linenbergers Buch "Master Your Workday Now".

p.s. Wenn ich richtig verstanden habe, bist Du Softwareentwickler und damit liegt Dir vielleicht (böses Vorurteil meinerseits) die analytisch/technische Sichtweise deutlich näher als die menschlich-emotionale.
Bei einem Software-Projekt könnte Deine Ziel-Vorstellung so aussehen, dass Du Dir den Kunden oder Anwender vorstellst, wie er Dein System nutzt, sich darüber freut, weil es ihm seine Arbeit/seinen Alltag sehr erleichtert und eben genau die Dinge kann, die er sich wünscht. Er bedankt sich bei Dir für die tolle Software und schildert Dir, wie gerne er damit arbeitet und wie nützlich sie für ihn ist.

Ich wende diese "vision goals" noch nicht konsequent und flächendeckend an. Ich hatte aber mal ein großes Projekt, das mir sehr am Herzen lag, aber irgendwie nicht richtig vorwärts kam. Es ging da auch um ein Infrastruktur-Softwareprojekt, das unseren Arbeitsalltag massiv erleichtern sollte. Da habe ich mir dann u. a. auch vorgestellt, wie meine Kollegen sich darüber freuen und dafür bedanken, dass das Arbeiten jetzt nun endlich so viel einfacher geworden ist...
Bildnachweis Avatar: "African Owl" (c) Bill Hails

MindLikeWater

Fortgeschrittener

Registrierungsdatum: 15. Mai 2014

Beiträge: 95

5

Donnerstag, 30. April 2015, 11:16

@inboxzero,

Du hast deinen Punkt 2 "Anforderungen" als grobe Randbedingung schon ganz gut - sagen wir mal analytisch - abgesteckt.

Auch die Ergänzung von Lvood hat mir insoferne gut gefallen, dass sie Leben in die Sache bringt (Lvood, du solltest ernsthaft darüber nachdenken, eine Nebenbeschäftigung als Buchautor zu beginnen). Ich würde dieses Gedankenspiel noch dahingehend ergänzen, dass ich mir verschiedene Alltags-Lebens-Situationen vorstelle und geistig verbildliche.

Wochentag: Also - ich stehe morgens auf, mache mein Morgenritual, breche dann zur Arbeit auf...
Abends komme ich heim - welche Aktivitäten mache ich dann...
Denselben Gedanken für Wochenenden, Besuch von Freunden, Kindergeburtstage, Interesse an Gartenarbeit ja oder nein usw. Alles was halt in einem Leben so vorkommt.

Dabei stelle ich mir jeweils das Haus vor, und wie es aufgebaut sein müsste, damit es möglichst gut meinen Anforderungen entspricht. Und während der virtuellen Lebensreise durch mein Haus schreibe ich Stichwörter zu den Anforderungen auf. Das kann fokussiert in einer Meditationsphase sein, oder auch mittels GTD - zeitlich verteilt über einen längeren Zeitraum in der U-Bahn, am Fahrrad unterwegs, während der Arbeit im Gespräch mit Kollegen - Ideen, die auf einmal da sind, einfach festhalten und im Processing der Notizen ins "outcome visioning" des Projektes "Haus" ergänzen.
Ich glaube so kann zB eine richtig gute Zimmeraufteilung entstehen.

Zur Softwareentwicklung:
Ich arbeite in einer Umgebung, in der sehr viel handgestrickte Software geschnitzt wird, tw. sehr umfangreiche Projekte, die dutzende Mannjahre an Arbeitsstunden beinhalten. Wir entwickeln unsere Software für unsere technischen Anwendungen in unserer Arbeitsumgebung selbst, und zwar am lebenden Projekt, und entwickeln sie auch daran ständing weiter. Es gibt keine Spezifikation, keine große Anfangsarchitektur (außer vielleicht für die Datenmodelle, aber auch die müssen flexibel sein).
Wichtig ist, dass ein neues Modul in kürzester Zeit als Minimalversion lauffähig ist. Das Modul wächst dann anhand der Anforderungen aus den Projekten, die wir damit als user abarbeiten, weiter. Wir wissen ja im Vorfeld die Anforderungen gar nicht - die entstehen erst im Lauf der Entwicklung. Bei den einzelnen Schritten hilft dann wieder das outcome visioning. Oft ergeben sich neue Anforderungen aus den Möglichkeiten, die uns die Programmierumgebung bietet - es findet ein ständiger vitaler Austausch zwischen Entwicklung und Anwendung statt; nur solche Software-Projekte waren in den letzten 15 Jahren erfolgreich (ich glaube das nennt man "Extreme Programming", oder?).
Wir hatten auch Software-Entwicklungen, wo wir uns in Form einer Spezifikation genau überlegt haben, was wir wollen; das wurde dann von einem Externen umgesetzt. Das Ergebnis war eine Enttäuschung. Nicht nur einmal. Und das lag weder an unserer Spezifikation noch am Programmierer, ich glaube, es lag am Verfahren.
GTD gelesen 2013-10 / seitdem Implementierung in mein schon vorher vorhandenes GTD-ähnliches System / Werkzeug: PC-Arbeitsplatz

inboxzero

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Donnerstag, 30. April 2015, 14:34

Vielen Dank für Eure Ausführungen, was Ihr schreibt macht Sinn und bringt mich wirklich weiter! :D

Ich glaube, von der Grundidee sind dann Anforderungen und Outcome Visioning ähnlich, nur dass es mit der phantasievollen Variante viel besser funktioniert, die Anforderungen wirklich realistisch zu sammeln. Viele Projekte gelingen nicht, weil die Anforderungen eben doch nicht der Realität entsprechen, oder am Anfang noch nicht immer so sichtbar sind und daher unvollständig.

Das deckt sich auch mit den Erfahrungen aus Extreme Programming oder SCRUM, oder was es noch für Modelle gibt. Dort kann man sich immer wieder neu orientieren und der Weiterentwicklung eine neue Richtung geben. Das heißt Anpassung und Korrektur während der einzelnen Phasen ist auf jeden Fall sinnvoll. Aber das phantasievolle Outcome Visioning hilft auf jeden Fall, die Anforderungen viel konkreter, vielfältiger und vollständiger zu bekommen.
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inboxzero

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7

Sonntag, 3. Mai 2015, 19:01

Habe heute festgestellt, dass die Phase 2 viel besser funktioniert, wenn ich meine Frau an die Tastatur lasse!!! :D :D :D
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Doggy

Schüler

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8

Donnerstag, 16. Juli 2015, 17:08

Mir hat bei der natürlichen Projektplanung folgender Link geholfen: http://www.loesungsdenken.de/projektplanung-mit-gtd-2/
An den Fragen dort konnte ich mich gut entlang hangeln, auch wenn es nicht alles streng und sklavisch nach GTD geht. Mir fällt es allerdings auch leicht, mir Ziele oder Projekte bildhaft vorzustellen und sie mir schön bunt auszumalen. :)

inboxzero

Anfänger

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Beiträge: 10

9

Samstag, 19. August 2017, 09:46

Vielen Dank!

Inzwischen ist einige Zeit vergangen, und ich habe tatsächlich unseren Hausbau anhand dieser Philosophie durchgeführt. Im Nachgang habe ich dann meine ursprünglichen Pläne nochmal angeschaut.
Ergebnis: das war eine Riesehilfe! Ich würde im Nachhinein gar nichts anders machen. Diese "blumige", emotionale Darstellung des Ergebnisses hat mir unheimlich geholfen, das Projekt auf Spur zu bringen.
Vielen Dank an Euch für Eure hilfreichen Tipps!!!
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MindLikeWater

Fortgeschrittener

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Beiträge: 95

10

Montag, 21. August 2017, 09:43

Freut mich, dass wir was beitragen konnten. Danke auch für deine Rückmeldung hier im Forum.
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