Sonntag, 27. Mai 2018, 15:30 UTC+2

Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden
  • Registrieren

cig

Meister

Registrierungsdatum: 6. März 2009

Beiträge: 512

1

Montag, 24. April 2017, 07:34

Job Crafting - utopisch oder realistisch?

In unserem örtlichen Käseblatt stand kürzlich ein Artikel über "Job Crafting".
Als Arbeitnehmer/in gestaltet man seinen Arbeitsalltag nach Stärken und Interessen. Natürlich ist damit nicht gemeint, dass man heute Einkaufsverhandlungen führt und morgen Erdbeeren anbaut, nur weil man gerade Bock drauf hat.

Im Kleinen nimmt vermutlich jeder kleine Anpassungen vor:
- Fotos von den Liebsten auf dem Arbeitsplatz
- In der Schublade liegt das Lieblingswerkzeug
- Bei Fragen wendet man sich meist an Kollegen, mit denen man besser auskommt.
- Beliebte Aufgaben werden eher erledigt als die lästigen.

Schlagworte: aktive Arbeitsplatzgestaltung, Gefühl der Selbstbestimmung, Evolution statt Revolution, Sinnhaftigkeit im Beruf

Ziel soll ein "Mental Shifting" (ein deutsches Wort wäre vermutlich zu kompliziert ;) ) zur höheren Motivation und damit Produktivität sein.
Scheinbar haben Firmen "Job Crafting" schon als "Wirtschaftfaktor" entdeckt. (Es gibt sogar eine Webseite dazu, die ich mir aber noch nicht angesehen habe.)

Aber ist das überhaupt realistisch? Meine kleinen Beispiele sind natürlich möglich. Aber darüber hinaus? Hilfsmittel zur Projektbearbeitung sind meist standartisiert. Projekte kann man sich selten "aussuchen" oder die Bearbeitung individuell ausführen. Kollegen sind wohl auch nicht begeistert, wenn ich mir "Rosinen" rauspicke. Und eine Aufgabenverschiebung und -anpassung ist auch nur in sehr großen Abteilungen möglich.

Oder bin ich da zu skeptisch? Haben wir die Flexibilität, um unseren Job ein wenig oder ein wenig mehr anzupassen, damit wir morgens mit etwas mehr Motivation von der Matratze zur Firma hüpfen?

MindLikeWater

Fortgeschrittener

Registrierungsdatum: 15. Mai 2014

Beiträge: 98

2

Montag, 24. April 2017, 10:04

Deine Vision ist zumindest zum Teil realisierbar - mit dem richtigen Chef!

In meinem Team hat es sich über die Jahre so entwickelt, dass sich aufgrund der Komplexität der abzuarbeitenden Themen Spezialisten herausgebildet haben; diese Spezialisierung war eigentlich nicht vorgegeben, sondern hat sich aufgrund der Neigungen eines jeden Einzelnen irgendwie von selbst ergeben (einer programmiert gerne, der andere arbeitet gerne Projekte ab und kommuniziert viel, der nächste administriert lieber und versucht das Team zusammenzuhalten und Prozesse zu standardisieren usw.; bis jetzt hat jeder seinen "Bereich" gefunden). Für die Firma ist das zwar unerwünscht, weil die Leute damit schwer ersetzbar warden, aber als Team sind wir ungemein stark, weil wir uns gemeinsam in jedem Teilbereich unseres Fachgebiets sehr gut auskennen.

Ein guter Chef zeichnet sich nun aus meiner Sicht dadurch aus, dass er den Dingen ihren Lauf lässt, d.h. die Leute die Dinge tun lässt, die ihnen Spaß machen, und die unangenehmen langweiligen Tätigkeiten, die es natürlich auch gibt, halbwegs fair aufteilt (und mein Chef ist glücklicherweise so).

Ich kann hier natürlich nur für eine Engineering-Arbeit in der Technik sprechen, die sich dadurch auszeichnet, dass die Mitarbeiter intrinsisch motiviert sind. Andere Arbeiten mögen weniger spannend sein, da braucht man natürlich auch andere Motivationsfaktoren.
GTD gelesen 2013-10 / seitdem Implementierung in mein schon vorher vorhandenes GTD-ähnliches System / Werkzeug: PC-Arbeitsplatz

Lily

La Moderatrice

Registrierungsdatum: 6. März 2009

Beiträge: 672

3

Freitag, 28. April 2017, 07:05

Ich könnte mir vorstellen, daß das schon funktioniert, wenn der Chef/Teamleiter/Vorgesetzte eine Liste der abzuarbeitenden Aufgaben führt, aus der sich jeder am Morgen (oder wann immer nötig) eine Aufgabe auswählt und diese abarbeitet.
Die Frage wäre: was passiert mit Arschaufgaben, die keiner haben will?
La Moderatrice freut sich immer über nette Kleinigkeiten von dieser Liste :love:

cig

Meister

Registrierungsdatum: 6. März 2009

Beiträge: 512

4

Freitag, 28. April 2017, 08:27

Die Frage wäre: was passiert mit Arschaufgaben, die keiner haben will?
Bei Projekten ist nach meiner Meinung die Mitarbeiterführung der Vorgesetzten gefragt, um eine gewisse Fairness zu erreichen, wie es MindLikeWater beschrieben hat.
Falls sich jemand bei Sonderaufgaben engagiert, ist meine Erfahrung, dass es herzlich willkommen ist - oftmals ohne dass man bei anderen Aufgaben entlastet wird, leider.
Ein guter Chef zeichnet sich nun aus meiner Sicht dadurch aus, dass er den Dingen ihren Lauf lässt, d.h. die Leute die Dinge tun lässt, die ihnen Spaß machen, und die unangenehmen langweiligen Tätigkeiten, die es natürlich auch gibt, halbwegs fair aufteilt (und mein Chef ist glücklicherweise so).
Boah, vorbildlich. :!: Vielleicht ist es auch vom Klima im Team abhängig. Wenn sich jemand als Opfer fühlt (und auch so behandelt wird), ist keinem geholfen. Bei allgemeiner Wertschätzung kann die Bearbeitung von nicht-alltäglichen Aufgaben für alle motivierend sein.

Ich denke aber, dass das Finden der "idealen" Projekte und Zuständigkeiten nur das oberste Ziel ist.
"Job Crafting" verstehe ich so, dass man sich im Rahmen seiner Möglichkeiten kleine Anpassungen schafft, um den Arbeitsalltag zu erleichtern oder zu verschönern.

Kleinere Schritte, die mir den Arbeitsalltag versüßen:
GTD, weil mir die Tools für Bearbeitung der Projekte nicht vorgeschrieben werden.
Ein Schrank, mit dem ich mein Gerümpel besser aufräumen kann.
Eine Pflanze am Arbeitsplatz.
Die Computerausstattung, die ich mir aussuchen konnte.
Ein anderer Stuhl.
usw. :)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »cig« (28. April 2017, 08:27)


Ähnliche Themen